Wo die (nicht ganz so) wilden Bienen wohnen – Betriebsausflug zu Mellifera

Wo die (nicht ganz so) wilden Bienen wohnen – Betriebsausflug zu Mellifera

Im Juli fand der Klett MINT-Betriebsausflug statt. Ziel war der Mellifera e. V. – eine Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung, die im idyllischen Rosenfeld (Baden-Württemberg) beheimatet ist.

Seit seiner Gründung 1986 setzt sich der Mellifera e. V. stark für das Wohlergehen der Bienen in Deutschland ein. Dabei stellt die wesensgerechte Bienenhaltung einen wesentlichen Grundpfeiler der Überzeugungen des Mellifera e.V. dar. Neben dem Umgang mit den Bienen bei der imkerlichen Haltung ist auch die Pflege des Lebensraums der Bienen ein wichtiges Anliegen des Vereins. Bei dem Besuch der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle erlebten die Mitarbeiter von Klett MINT hautnah, wodurch sich wesensgerechte Bienenhaltung auszeichnet.

Nicht jeder Imker benutzt seinen „Schleier“

Angekommen bei Mellifera wurden wir mit einer Stärkung in Form von Butterbrezeln und Getränken versorgt. Anschließend begrüßte uns Imkermeister Norbert Poeplau, der seit 2006 für die Versorgung von den ca. 130 Bienenvölkern der Lehr- und Versuchsimkerei zuständig ist. Nach einer anfänglichen Fragerunde, bei der uns Imkermeister Norbert mit seinem detaillierten Wissen beeindruckte, machten wir uns auf den Weg zu den ortsansässigen Bienenvölkern. Umgeben von einem blühenden Dickicht fanden wir uns vor unterschiedlichen Bienenwohnungen zu Lehr- und Forschungszwecken auf dem Gelände der Fischermühle wieder. Nur mit einem Smoker ausgestattet schritt Imkermeister Norbert zur Tat: Er nutzte den Rauch aus dem Smoker, um die Insekten in die Waben zu scheuchen und löste anschließend einen Rahmen aus dem Kasten heraus. Die Schutzkleidung des Imkers, den so genannten „Schleier“, trug er dabei nicht, obwohl der Rahmen vor schwarz-gelben Leibern nur so wimmelte. Die Schutzkleidung benötige er nur je nach seiner Tagesform, so Poeplau.

Wo ist die Bienenkönigin?

Besonders beliebt bei Schülerinnen und Schülern: Das Suchen der Bienenkönigin! Mit großer Geduld durchforstete Norbert Poeplau den ganzen Bienenstock nach der Bienenkönigin, um auch uns diese, durch ihre Größe gut identifizierbare royale Biene, zu zeigen. Dabei fiel uns auf, dass jeder einzelne Rahmen ein bisschen anders aussah. Der Grund dafür ist, dass bei der wesensgerechten Bienenhaltung der Wabenbau als wichtiger Teil des natürlichen Verhaltens des Bienenschwarms angesehen wird. Daher werden keine vorgefertigten Mittelplatten aus Wachs in die Rahmen eingesetzt, die ein einheitlicheres Aussehen zur Folge haben.

Von handzahmen Bienen und frischem Honig

Drohnen (männliche Bienen) sind nicht an der Produktion von Honig beteiligt und besitzen keinen Stachel. Ihre Aufgabe ist einzig und allein die Begattung einer jungen Königin. Das Fehlen des Stachelapparats macht sie jedoch perfekt für eine Runde Streicheleinheiten! Wer sich traut kann also, ganz ohne Angst vor einem Stich haben zu müssen, eine Drohne auf die Hand nehmen.

Highlight des Tages war die Möglichkeit, den Honig der Lehrbienen direkt aus der Wabe zu probieren. Das funktioniert so: Wer das beliebte Bienenerzeugnis sucht, findet es in den Waben, die weiter weg vom Einflugloch der Arbeiterinnen gelegen sind. Diese Waben sind mit einem dünnen Wachsdeckel verschlossen. Drückt man nun von unten nach oben mit dem Daumennagel vorsichtig in die mit Honig gefüllten Waben, fließt einem die goldgelbe Leckerei direkt auf die Finger. Was für ein Genuss!

Honig allein macht noch nicht satt

Nachdem Herr Poeplau uns noch allerhand wissenswertes zum Thema Bienen allgemein und wesensgerechter Bienenhaltung im Besonderen erzählt hatte, waren wir restlos von der Arbeit des Mellifera e.V. beeindruckt. Eingriffe in den Bienenstock erfolgen nur dann, wenn sie wirklich nötig sind. Deshalb Leben die Bienen bei Mellifera fast genauso wie ihre wilden Schwestern. Um eine tolle Erfahrung reicher und ohne einen einzigen Bienenstich machte sich unser Team mit knurrenden Mägen auf in das reservierte Restaurant. Dort ließen wir bei schwäbischer Hausmannskost den gelungenen Tag ausklingen.


Bildnachweis © Klett MINT GmbH